Langeweile und Moby – Dick

(© Christian Aslund / EyeEm)

Seit Jahren möchte ich endlich „Moby – Dick“ lesen. Immer wieder habe ich es versucht.
Es ist mir nicht gelungen, es nebenbei im Alltag zu lesen. Es ist so ausschweifend und umfassend erzählt,
dass es mir den letzten Nerv raubte.

Dann habe ich mit meinem Bruder Rennradurlaub gemacht, es regnete, das Internet funktionierte nicht
und ich hatte nur dieses eine Buch zu lesen.
Nach zwei Tagen Langeweile war ich bereit. Diesmal klappte es.
Das Buch ist ein Genuss!
Es kann einem ein anderes Zeitgefühl schenken.
Etwas nachdem wir uns ja alle sehnen!

Der Erzähler Ismael hat Langeweile und kein Geld.
Er verpflichtet sich als Walfangarbeiter auf dem Schiff Pequod des Kapitän Ahab.
Dieser ist besessen davon einen bestimmten weißen Wal zu töten, der ihm ein Bein
bei einem Angriff auf sein früheres Schiff zerquetschte.
Ausufernde, begeisternde Schilderungen von Menschen und Material, von Meer und Walen.
Eine unglaubliche Mischung aus Abenteuergeschichte, Essay, philosophischer Überlegung und Naturkunde
macht das Buch zu einem umfassenden Roman, zu einer Reflektion über unser Menschsein.
Und ganz nebenbei ist es ein Buch für die Gleichheit aller Menschen, für Demokratie und gegen Diktatur.
Erschienen 1851 war es zunächst vollkommen erfolglos.
Heute hat es eine herausragende Bedeutung in der abendländischen Literaturgeschichte.

Moby Dick ist ein Pottwal. Pottwale sind die größten Säugetiere der Welt. Ihr Lebensraum ist die ganze Meereswelt.
Sie haben eine Kommunikation aus Klicklauten, die der menschlichen Kommunikation
in ihrer Ausdrucksfähigkeit nicht nachsteht. Sie können sich über hunderte Kilometer verständigen,
bis zu 230 Dezibel sind ihre Laute laut. Und vermutlich jagen sie die Kraken, die sie fressen, mit dieser Lautkanone.
Sie sind vom Aussterben bedroht.
Ihr Ende wird der Tiefseebergbau sein.

„…dann brach alles ein, und das große Leichentuch des Meeres wogte weiter wie vor fünf Jahrtausenden.“

Hermann Melville, Moby Dick
Hanser, 44 € und dtv, 18 €

Übersetzung von Matthias Jendis: Nur diese bietet verlässlich den ganzen Text und hat tolle Anmerkungen.

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