Jim Knopf und der Negerkönig

In der “Zeit” bedauerte neulich eine Antirassismus-Trainerin, dass „Jim Knopf leider noch oft gelesen“ werde. Dass der schwarze Junge
so aufgeweckt und klug ist, das sei nämlich ein rassistisches Klischee.
Hat sie das Buch Michael Endes gelesen?
Weiß sie vom Scheinriesen Tur Tur, der darin vorkommt?
Er wird immer kleiner, je mehr Lukas und Jim sich ihm nähern. Er wird ein Mensch, als sie mit ihm reden. Er kann die Existenz des Angstmachers aufgeben und,
kein Außenseiter mehr, in die Gemeinschaft zurückkehren.
Was für eine Botschaft!

Wir erinnern uns auch an Astrid Lindgrens „Negerkönig“, den Vater von Pippi Langstrumpf. Wer hätte nicht gerne so einen Vater gehabt?
Und was für eine Lügengeschichte! Lügen ist ja eine Sache, die Pippi besonders gut kann. Lügen musste man können als Kind. Eine gute Lüge konnte einem Prügel ersparen. Wir sind damals fast alle geschlagen worden: mit der Hand, dem Stock, dem Gürtel.
Erst in den 90er Jahren wurde das in Deutschland verboten
(zusammen mit der Vergewaltigung in der Ehe).
Astrid Lindgren hielt eine große Rede gegen diese „Normalität“, als sie 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam. Die Veranstalter wollten die Rede verhindern:
Zu provokant! Lindgren hielt sie trotzdem.
„Niemals Gewalt!“ heißt sie. Sie wurde berühmt.

Also zurück zu Lindgrens „Negerkönig“.
Warum sind Menschen so schwach,
dass sie ihren Kindern nicht ein ernsthaftes Gespräch zutrauen?
Astrid Lindgren hätte sich kaputtgelacht.
Sie hat Kindern Verstand zugetraut. Lesen Sie den Briefwechsel, den sie mit der
deutschen Jugendlichen Sara Schwardt geführt hat!
Alle ihre Bücher sind von dieser Überzeugung getragen.

 

Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Thienemann, 17 €
Astrid Lindgren: Niemals Gewalt! Oetinger, 80 S., 5 €
A. Lindgren, Sara Schwardt: Deine Briefe lege ich unter die Matratze. Oetinger, 20 € – Tolle Biographie!!: Jens Andersen: Astrid Lindgren – Ihr Leben. Pantheon, 18 €

Den Beitrag in der “Zeit” finden Sie hier.

Winfried hat uns dazu zwei Zitate geschickt:


„Pippi Langstrumpf war mein Mädchen“
Michelle Obama


„Wunderbar! Bezaubernd“
„Was findest du denn so bezaubernd?“ fragte Tommy.
„Mich“ sagte Pippi zufrieden.
Wenn das alle Mädchen (und auch Jungen) von sich sagen könnten,
wäre Rassismus kein Thema mehr. Oder?

Michael Ende, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, kolorierte Ausgabe, S. 142:

“Nun”, meinte Herr Tur Tur, “da ist eigentlich nicht viel zu erzählen. Eine Menge Menschen haben doch irgendwelche besonderen Eigenschaften. Herr Knopf zum Beispiel hat schwarze Haut. So ist er von Natur aus und dabei ist weiter nichts Seltsames, nicht wahr? Warum soll man nicht schwarz sein? Aber so denken leider die meisten Leute nicht. Wenn sie selber zum Beispiel weiß sind, dann sind sie überzeugt, nur ihre Farbe wäre richtig und haben etwas dagegen, wenn jemand schwarz ist. So unvernünftig sind die Menschen bedauerlicherweise oft.”

Im Folgenden erklärt Herr Tur Tur wie Rasismus funktioniert.