Die Stille verschieben

Etel Adnan

Etel Adnan, Die Stille verschieben
Ed.Nautilus, gb., 95 S., 22 €

Dies ist das letzte Buch, das Etel Adnan vor ihrem Tod
vor einem Jahr, verfasste. Lauter kleine Texte über sich, ihr Erleben, ihr Verschwinden aus unserer Welt, über das, was sie wichtig findet, über die Stille, die sie schon empfindet bevor sie ganz in sie driftet. Die Stille ist vorher schon da, jenseits alltäglicher Nachrichten und den sie umgebenden Lärm.

Über den Sternenhimmel an der bretonischen Küste, über „ihren“ Berg in Kalifornien, ihre Verbundenheit mit Mond und Sonne, die sie mit ihrem Licht berühren. Sehr spannend, wenn man sich auf diese Gedankenwelt einlassen kann. Das Lesen dieser Gedichte, Bilder, Aphorismen (?) wird zu einem Erlebnis, als sähe man der Brandung eines großen Meeres zu:
Gedanken, die kommen und wieder gehen. Einfach so.

Katalog zur Ausstellung im März in der Düsseldorfer Kunstsammlung
Etel Adnan,
Hirmer, kt., 39,80 €

Ein Katalog, wie man es sich wünscht – viele Abbildungen und Material (tolle Zitate) über ihre Kunst und ihr Leben.

Etel Adnan war so etwas wie eine europäische Weltbürgerin. In Beirut geboren, lebte sie in den USA, Frankreich und im Libanon, solange es ihr jeweils möglich war. Sie wechselte die Sprache vom Französischen ins Englische als Frankreich den Algerienkrieg begann. Sie entdeckte die Malerei als sie eine nicht an Worte gebundene Sprache suchte. Immer wieder malte sie in San Francisco, wo sie lange lebte, den Mount Tamalpais,
als SinnSuchBild für unser Leben auf der Erde.
Sie malte viel und mit ganz sicherem „Strich“. Sehr eigen, immer Landschaften und kleine Städte, Olivenbäune, ein rotes Quadrat spielt eine wichtige Rolle.
Das Beste sind die Farben, die sie findet.
Selbst abstrakt anmutende Bilder haben ganz konkrete Anlässe.

Adnans Leben ist eng verbunden mit der Geschichte des Kolonialismus des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihr Vater war während des ersten Weltkrieges Befehlshaber der Osmanischen Armee in Smyrna. Smyrna wurde durch Osmanische Truppen unter dem Befehl von Atatürk zerstört und damit das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen: während englische Truppen von sicheren Schiffen aus zuschauten, vertrieben und ermordeten türkische Truppen die christlichen und jüdischen Einwohner. Unter tätiger Mithilfe der Nachbarn wurden ihre Häuser geplündert und in Brand gesteckt. Die ganze Stadt verbrannte. Heute heißt sie Izmir.

Giles Milton, Das Inferno von Smyrna
wbg Theiss, gb.,465 S., 38 €