Anne Weber

Kirio

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Anne Weber liest: Kirio
Wie schreibt man über das Gute und den Guten in der Welt?
Moderation Holger Schwab
Do, den 21. September 2017 für 12 € um 20 Uhr im buchLaden 46

Im Oktober ist Frankreich das Gastland der Frankfurter Buchmesse.
Mehr als eintausend Bücher werden dann neu übersetzt sein.
Dabei zeigt sich: kommen werden Schiftsteller, die nicht durch eine Nation verbunden sind, sondern durch die französische Sprache! Sprache als Heimat, Sprache als Nation, Sprache als Raum der Freiheit.
Ein Beispiel: Dany Laferrière stammmt aus Haiti, lebt in Kanada und ist der einzige Schwarze in der Academie Francaise. Er arbeitet an deren berühmtem französischen Wörterbuch mit. Die französischen Bücher, die auf der Buchmesse vorgestellt werden, stammen von Autoren, die aus dem Iran, Indien, Algerien, Kongo, Marokko, Kanada und Frankreich kommen.

Anne Weber ist in diesem Rahmen etwas Besonderes: sie lebt und schreibt in zwei Sprachen. Mit achtzehn ist sie nach Paris ausgewandert, wo sie auch heute lebt. Sie schreibt auf Deutsch und Französisch und übersetzt ihre Bücher selber. Ihr letztes Buch hieß „Ahnen“, wurde auf Deutsch verfasst und von ihr noch einmal auf französisch geschrieben. Dort heißt es „Vaterland“. Es sind also zwei verschiedene Bücher geworden.

Ihr neues Buch heißt „Kirio“.
Kirio? Kyrios – das Göttliche?
Der Name ist entlehnt einem bretonischen Regional-Heiligen;
der Anklang an das Göttliche ist durchaus gewollt.
Und: es gab mal eine französische Reklame für Käse:
„La vache qui rit“ – Die Kuh die lacht… Qui rit: Kirio?

Das ist ein Element von Anne Webers schreiben: auf die vielen Bedeutungen eines Wortes achten, sie mitschreiben und daraus Literatur machen. Und das mit Humor!

Kirio ist sozusagen ein seltsamer Heiliger, einer der ein guter Mensch ist. Es wird alles gut, wo er hinkommt. Er stellt die Welt auf den Kopf und das wortwörtlich: er läuft auf Händen seinen Weg durch die Welt. Er beobachtet Spinnen, hat ein ausgedehnte erotische Abenteuer, spielt großartig Flöte und endet in Hanau.
Ja, in Hanau: Stadt der Brüder Grimm, Stadt des Simplicissimus.
Ein Märchen?
Anne Weber nennt das Buch eine Heiligenlegende.

Es ist gar nicht klar, wer das Buch erzählt: Es beginnt damit, dass die Erzählerin noch schlummert.  Im Verlaufe des Buches bekommt man die Vermutung, dass das Gute selber der Erzähler ist. Das Gute? Der Gute?

Es gibt nur ganz wenige Romane, die das Gute zum Thema haben. Es scheint ein künstlerisches Problem zu sein über ein gelungenes Leben zu schreiben.
Kirio ist kein Buch für den Strand. Mir hat es Spaß gemacht, weil es Fragen stellt, weil es mich herausgefordert hat und weil es Witz, Sprachwitz hat.